Söndag 20 maj 2012

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„Diese Kunstwerke atmen den Wind und das Licht von Öland.“ sagte Klas Börjesson.

Poesie und Malerei — wie Sarah Kirsch nach Schweden kam

 

Ein Juni-Abend auf der schwedischen Ostsee-Insel Öland. Der Himmel über der Schlossruine von Borgholm, der kleinen Insel-Metropole, ist weit, wie er nur in Skandinavien weit sein kann. Aber da ist noch etwas: das Licht!. Es ist das Licht, das Maler in aller Welt immer wieder suchen. Das Licht, das Dichter inspiriert. Und es ist auch der richtige Ort, der eine Melange aus Malerei und Poesie beflügelt.

Lennart Sjögren

Jedenfalls ist das Experiment gelungen. Unten im Burghof stehen Menschen und stoßen auf eine ungewöhnliche Ausstellung an, die vieles in sich vereint: Poesie und Kunst, Deutsche und Schweden, Experten und Neugierige. Eine Hommage an den malenden Dichter Lennart Sjögren, 79, einen der Großen der skandinavischen Lyrik, dessen Verse selbst von Sarah Kirsch schon ins Deutsche adaptiert worden sind.

Zwölf Künstler der schwedischen Insel haben zum 40jährigen Jubiläum ihrer Gruppe „Akerbokonstnärerna“ Gedichte Sjögrens in Bilder aufgelöst. Sjögren, der mit zu der Gruppe gehört, ist ebenfalls als Maler zu besichtigen. Wie ist das, wenn man als Maler und Poet zugleich arbeitet? Sjögren: „Das ist wie wenn man zwei Frauen zur gleichen Zeit hat – anstrengend.“

Sag daß ein
Orgelmacher vorbei kam
Er prüfte das frühe Laub
Das sich gerade erhebt
Wie eine Sichel
Eh noch das Morgenrot scheint
Und die da lieben ihr Bild
Reglos im Wasser sehn

Es führte sich ein Bündel Töne
Schlug sein Herz auf
Für eine Reise
Hinter den Wind.

(Adaption Sarah Kirsch)

 

 

 

Anna Larsson, eine schwedische Grafikerin, hatte die Idee, Sjögrens Gedichte in Farbe oder Ton umzuwandeln. Der Künstler Jürgen Ewel, ein gebürtiger Deutscher, kümmerte sich um die Realisierung. Zum Ergebnis sagte Klas Börjesson, Museums-Chef von Kalmar, in seiner Laudatio: „Diese Kunstwerke atmen den Wind und das Licht von Öland.“

 

Die Ausstellung ist bis zum 31. August täglich von 10 bis 18 Uhr in der Borgholmer Schlossruine zu besichtigen. Dabei auch ein von Sarah Kirsch später ins Deutsche adaptiertes Sjögren-Gedicht: „Die Laubwald-Elegie“. Die Grafikerin Ann-Marie Utvik hat es zu einer Collage inspiriert. Sarah Kirsch selbst wird ihr wohl kaum ein Begriff sein. Um so interessanter die Geschichte, wie die deutsche Lyrikerin Sarah Kirsch nach Öland zu dem schwedischen Lyriker Lennart Sjögren kam. Auch hier ist wieder ein gebürtiger Deutscher im Spiel: der auf Öland lebende  Kunstkritiker Erich Schwandt, ein Berliner mit schwedischer Mutter. Er sprach Kirsch vor Jahren auf Sjögren an, begeisterte sie so sehr, dass sie den Dichter-Kollegen auf der schwedischen Insel besuchte und spontan einige seiner Gedichte auf deutsch nachempfand. Zum Beispiel:

DIE ORGEL
Auf einer Müllkippe
Befindet sich eine Orgel. Sie spielt
Nachts zwischen Autochassis. Eine Puppe
Richtet den Kopf auf. Es horchen
Auch mit erhobenen Pfoten die Ratten
Die hier in feierlicher Stille
Ihr Leben haben.
(aus Lennart Sjögren „Der äußere Strand“, Gedichte, Albert Bonniers Förlag)

Text: Marianne und Otto Draeger.

Weitere Informationen über Lars Edqvist, Abeba, lars@abeba.se

und Jürgen Ewel OO46-73-393 16 16

Dunkler Feuer


Ich versuchte, ein Feuer anzuzünden
Ein helleres Feuer
Es wurde kein richtiges Feuer
Es ist bald erloschen

Solch Feuern sind zwiespältig

Am Ende
Ist das so wie ein Traum
Ein dunkleres Feuer, ein heißeres.
Das sich von selbst entzündet.

(Freie Übersetzung ins Deutsche)



Svensk version

Här hittar du en svensk version av texten.

 

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